Ich-Zustands-Modell-Schneemensch

Was können wir eigentlich vom Schneemenschbauen über das Ich-Zustands-Modell der Transaktionsanalyse lernen?

Während meiner Studiums an der Evangelischen Hochschule Hamburg bin ich im Rahmen des Moduls „Methodik“ das erste mal mit der Transaktionsanalyse in Kontakt gekommen. Die Dozentin stelle damals unter anderem eines der bekanntesten Modelle der TA vor, das gelegentlich auch als „Schneemenschmodell“ bezeichnet wird und so zentral ist, dass es beispielsweise auch Einzug ins Logo der DGTA gefunden hat: Die drei übereinanderliegenden Kreise.

Ein Schneemensch - Sinnbild für das Ich-Zustands-Modell der Transaktionsanalyse
Ein Schneemensch (rechts) – Sinnbild für das Ich-Zustands-Modell der Transaktionsanalyse

Mein etwas kläglicher Versuch einen Schneemenschen zu bauen einmal beiseite geschoben, möchte ich das „Ich-Zustands-Modell“ der Transaktionsanalyse – denn so heißt es richtig – kurz erklären.

Das Ich-Zustandsmodell der Transaktionsanalyse

Das Ich-Zustands-Modell hilft uns zu verstehen, warum Menschen auf eine gewisse Art und Weise reagieren und agieren. In seiner grundlegenden Form sprechen wir vom „Stukturmodell“: Drei Kreise, die übereinander liegen und von oben nach unten mit „EL“, „ER“ und „K“ beschrieben werden.

EL-tern-, ER-wachsenen- und K-ind-Ich-Zustand werden damit abgekürzt.

Aus diesen drei Zuständen heraus kann jeder Mensch agieren und greift dabei auf unterschiedliche Ressourcen zurück. Denn: Ich-Zustände sind ein Zusammenspiel von Fühlen, Denken und Verhalten.

„Das macht man nicht!“

„Das macht man nicht!“, hört ein Kind beispielsweise, wenn es mit den Fingern isst. Das Kind lernt also, dass in seiner Familie nicht mit den Händen gegessen wird. Die mahnende Stimme, nicht mit den Händen zu essen, wird es später als Erwachsener immer noch als Anweisung der Eltern in seinem Inneren „hören“. Im Eltern-Ich legen wir so z. B. unsere Werte, Normen und Bewertungen ab, wie wir sie von unseren Eltern gelernt haben.

Das Kind-Ich gilt als „Speicherort“ von Emotionen, spontaner Entfaltung und Kreativität. Vielleicht isst das Kind mit den Händen, weil es dabei den Reiz des Verbotenen erlebt, aufgeregt ist und Mut beweist, sich über die Anweisung der Eltern hinwegzusetzen.

Der mittlere Kreis, der Erwachsenen-Ich-Zustand, letztlich ist die Möglichkeit des Menschen, zu entscheiden, wie er sich verhalten will. Soll ich als Vorgesetzter direktiv agieren, weil eine Deadline zu halten ist und ich steuernd eingreifen muss? Oder ist eine besonders kreative Lösung gefordert und ich animiere meine Mitarbeiter:innen dazu ihrem „Spieltrieb“ zu folgen und zu experimentieren?

Aus dem Erwachsenen-Ich-Zustand zu handeln bedeutet im Hier und Jetzt zu sein und eine reflektierte Entscheidung zu treffen, die auf Basis von Informationen (Daten, objektiven Fakten), eigenen Erfahrungen („Wie habe ich eine ähnliche Situation gelöst?“) aber eben auch auf bewusst gemachten Einflüssen des eigenen Lebens basiert (z. B. „Das macht man nicht“, als Wert der eigenen Erziehung auf seine Angemessenheit in der Gegenwart überprüfen).

Gewiss: Das Handeln aus dem Erwachsenen-Ich-Zustand heraus gelingt uns nicht immer. Und immer wieder gibt es Momente, in denen wir uns nicht reflektiert und angemessen verhalten.

Kann man das lernen?

Beratung, Supervision und Coaching sind Wege, das eigene Handeln zu reflektieren, die eigene Handlungskompetenz wachsen zu lassen und eigene, uns hindernde, Anteile kennen und steuern zu lernen – schauen wir mal gemeinsam drauf?

Ein bisschen mehr Theorie zu den Ich-Zuständen gibt es bei den Kolleg:innen von transaktionsanalyse-online.de